A Jewish colleague who fled Germany in 1938 sent me the following letter and asked me to put it into one of my websites.  He has never forgotten the kindness of two men who saved his life – a family friend who was an officer in Hitler's army and an utter stranger – a young guard at the Dutch border. I will post a translation eventually. 
Ingrid Shafer 
23 February, 1999
 
 
 
    Rassenhass ist nicht nur ein deutsches Phänomen
    Prof. Dr. Paul Neumarkt 
 

In der Zeitschrift "Der Spiegel" Nr. 33/12. 8.96 erschien ein sehr interessanter Artikel: "Hitler: Vollstrecker des Volkswillens.  Rudolf Augstein im Gespräch mit Daniel Goldhagen." 

Als Herausgeber des "Journal of Evolutionary Psychology" in Pittsburgh, PA (USA), möchte ich hiermit zu Goldhagens These kritisch Stellung nehmen: 

Zunächst einige persönliche Daten: Ich bin gebürtiger Berliner, musste 1938 Berlin verlassen, um mein nacktes Leben zu retten.  Kurz vor meiner Abreise wurde ich von SA Leuten in der damaligen Grenadierstrasse überfallen und blutig geschlagen.  Ich war vier Wochen bettlägerig und wurde von Sanitätsrat Dr. Bernhard in der Münzstrasse, Berlin behandelt. 

Nach meiner Ankunft in Amerika, studierte ich an der New York University und erhielt meinen Doktorgrad auf dem Gebiet der deutschen Sprache und Literatur.  Späterhin erhielt ich einen zusätzlichen akademischen Grad auf dem Gebiet der Psychologie.  Als Universitätsprofessor und Wissenschaftler möchte ich nunmehr zu Professor Goldhagens Anschauung bezüglich "Volkswillen" Stellung nehmen: 

Meiner Meinung nach ist Professor Goldhagens Stellung zu den Ereignissen der Hitlerperiode vom psychologischen Standpunkt aus gesehen äusserst engstirnig.  Es ist in der Tat erstaunlich, dass Goldhagen als Professor und Wissenschaftler den Volkswillen als primäre politische Triebkraft bezeichnet.  Ich war Augenzeuge der "Vor-Hitler-Periode." Das deutsche Volk war zu jener Zeit in einer äusserst trostlosen Lage.  Inflation, Arbeitslosigkeit und Verzweiflung waren an der Tagesordnung.  Es war Hitler, der "Verführer", der dieses unsäglich traurige Leiden für seine eigenen Zwecke politisch ausnützte, indem er dem deutschen Volk den Himmel auf Erden versprach.  Professor Goldhagens Vorsatz, dem deutschen Volk die Schuld in die Schuhe zu schieben, ist dementsprechend von der Hand zu weisen. 

Gewiss hat es auch im deutschen Volk Rassenfanatiker, Antisemiten, voreingenommene Menschen gegeben, aber solche Typen gibt es in jedem Volk, in jedem Land, in jeder Kultur, in jeder Religion. 

Hier folgen einige Beispiele dieser weltweiten Phänomene: 

Die Inquisition in Spanien; der 30-jährige Krieg 1618-1648, in dem Protestanten von der katholischen Kirche verfolgt wurden; die Hugenotten in Frankreich; der Sklavenhandel; die Pogrome in Russland; zehn Millionen Menschen, die Diktator Stalin selbst um die Ecke gebracht hat, und viele, viele andere Beispiele.  Im Mittelpunkt des menschlichen Daseins hat es immer Schattenseiten gegeben, in dem die obengenannten Vorurteile im Vordergrund standen.  Es hat in allen Ländern Politiker gegeben, die diese menschlichen Schwächen zu ihrem eigenen Vorteil ausgenützt haben.  Der deutsche Ausdruck "Machthaber" erklärt diese Tendenzen in aller Kürze. 

Auf Grund der hiergenannten historischen Ereignisse, stellt Professor Goldhagens Ausgangspunkt des "Volkswillens" eine unglaubliche Verflachung der historischen und wissenschaftlichen Forschung dar.  In der deutschen Psychologie spielt Carl Gustav Jungs "Prozess der Individuation" eine primäre Rolle.  In seinem Faustdrama erscheint Goethes Mahnung: 

Gerettet ist das edle Glied der Geisterwelt vom Bösen.  Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen.
Friedrich Nietzsche umfasst den Werdegang der menschlichen Entwicklung mit den Worten: 
Das Leben ist ein Übergang und ein Untergang., ich kam Euch den Übermenschen zu lehren. (Also Sprach Zarathustra)
In allen diesen Werken sprechen die Dichter und Philosophen von der Aufgabe, sich von der Massenmentalität zu befreien.  Diese Mahnung ist nicht ausschliesslich an das deutsche Volk gerichtet.  Es handelt sich hier um ein Postulat, das sich auf die gesamte Menschheit bezieht.  "Der Prozess der Individuation" ist, psychologisch gesehen, äusserst schwierig.  Das deutsche Volk war zu jener Zeit in einer unsäglich trautigen Lage.  Hitler spielte sich als Retter auf und versprach mit ohrenbetäubendem Lärm ein paradiesisches Dasein.  Das "Dritte Reich" war die Schöpfung dieses sogenannten "Verführers".  Solche Diktatoren, d.h. "Machthaber" sind in allen Ländern zu finden.Professor Goldhagens Darstellung des sogenannten Volkswillens ist eine oberflächliche Betrachtungsweise, die psychologisch nicht ernst genommen werden kann. 

Während der Hitler Diktatur hat es sogar Menschen gegeben, die ihr eigenes Leben aufs Spiel setzten, um Opfer der Naziperiode zu retten.  Mein eigenes Leben war gefährdet.  Mein Überleben war in Frage gestellt.  Dass ich am Leben geblieben bin, verdanke ich dem Obersturmtruppenführer Bartels.  Für seine Menschlichkeit bin ich ihm ewig dankbar, denn was mich anbetrifft, hat er mit seiner Rettungsaktion sein eigenes Leben aufs Spiel gesetzt.  Mir fehlen ganz einfach Worte, um diesem edlen Menschen meine Dankbarkeit auszudrücken. 

Professor Goldhagens Gedankengang betreffs "Volkswillen." ist eine Unterschätzung der historischen Gegebenheiten, denn Diktatoren brauchen keine Genehmigung, um ein Volk irrezuführen.  Dass das deutsche Volk unter Hitler in Teufels Küche geraten ist, ist die Schuld dieses sogenannten "Verführers", der als Rassenfanatiker seine unreifen, rachsüchtigen Triebe nicht zäumen konnte.  Typen solcher Art tauchen in aller Herren Länder auf, denn sie brauchen immer einen Sündenbock, um ihre eigene unreife Haltung zu vertuschen.  Die verzweifelte Lage des deutschen Volkes bot Hitler eine willkommene Gelegenheit, seine unmenschlichen Triebe und 
seinen Rassenhass politisch zu verwirklichen. 

Ich beabsichtige hiermit nicht, die Willigkeit vieler Menschen zu übersehen, die ohne jeglische Gewissensbisse Hitlers schändliche Taten ausführten.  Jeder Machthaber hat seine Mitläufer.  Hitlers Regierung erlaubte keine Gedankenfreiheit.  Seine Befehle durften nicht in Frage gestellt werden.  Diese politischen Massnahmen sind die Grundlage jeder Diktatur.  Das war kein ausschliesslich deutsches Phänomen, sondern ein Beweis der weltweiten Unreife der Massenmentalität.  Mussolini in Italien hatte seine Mitläufer und trug zum Tode von über 40 Millionen Menschen auf dem Schlachtfeld bei.  In seiner engstirnigen Allianz mit Hitler darf er nicht von der Schuld des zweiten Weltkriegs übersehen werden. 

Es gab aber auch Einzelmenschen, hervorragende Charaktere wie Obersturmtruppenführer Bartels, der es mir ermöglichte und wahrscheinlich auch anderen, mit dem Leben davonzukommen.  In einer Welt voller Zwiespältigkeiten, in einer Welt, in der Verbrechen, Mord Gewalttätigkeiten und Terror an der Tagesordnung sind, möchte ich meine Stellungnahme zu Professor Golhagens Anschauung mit den Worten des Dichters Friedrich von Schiller abschliessen: 

Lasst Euch nicht irren des Pöbels Geschrei, noch der Missbrauch rasender Toren.

PROF.  DR.  PAUL NEUMARKT 
EDITOR-IN-CHIEF 
THE JOURNAL OF EVOLUTIONARY PSYCHOLOGY 
4625 FIFTH AVENUE # 605 
PITTSBURGH, PA 15213 
10. Januar 1998 
 
 

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Webpage Editor: Ingrid H. Shafer, Ph.D.
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Posted 23 February 1999
Last revised 23 February 1999, 2:00 am CST
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